Sportlich gewettet
Risiken halten Menschen also nicht ab zu spielen, und das ist auch eine Erklärung dafür, wieso Sportwetten auch in Zeiten der Wirtschaftskrise Anklang bei der Bevölkerung finden. Das Streben nach mehr Kapital in den Vordergrund gesetzt, macht aber effektiver Besitz diese Menschen nicht glücklicher. Lebenszufriedenheit und Geldbesitz stehen also im Gegensatz zu intuitiver Gier nach mehr, womit auch der Schwarzmarkt in diesem Sektor erklärt werden könnte. ExpertInnen monieren den Markt illegaler Sportwetten, die erzielten Umsätze liegen allein im deutschsprachigen Raum in Milliardenhöhe. Offizielle Sportwetten im staatlichen Bereich halten bei jährlich ungefähr 300 Millionen Euro und darüber.
Ein Phänomen war während der EURO 2008 zu beobachten, weil die Siegchancen der eigenen nationalen Mannschaften zumeist höher bewertet wurden. Sportwetten spiegelten das nationale Selbstbewusstsein wieder, besonders die dänischen, bulgarischen, italienischen und spanischen Fußballfans waren vom Sieg ihrer Kicker überzeugt. Ein Forschungsteam der RWI Essen und der Humboldt — Universität Berlin beobachteten das Wettverhalten bereits vor dem Wettbewerb. Ab der Qualifikationsphase für die Europameisterschaft nahmen die WissenschafterInnen Sportwetten aus zwölf Nationen ins Visier, das gastgebende Land Österreich wurde nicht berücksichtigt. Ein Kuriosum sei am Rande erwähnt: Fußballfreunde sammelten tausende Unterschriften für einen freiwilligen Rückzug der österreichischen Nationalelf. Aufgrund mangelnden Könnens der Fußballer in der Alpenrepublik reichte man 10 000 Unterschriften beim Österreichischen Fußballbund ein. Mit einer Quote von 81 galten die Österreicher bei Sportwetten als absolute Außenseiter.