Eigentuemliches Stadtbild
Die vielen verschiedenen Konnotationen lassen sich vor allem mit der bewegten Vergangenheit und der neueren Entwicklung der Stadt erklären.
Anfangs Hauptbrenn- und Streitpunkt des Kalten Krieges, mitsamt Agentenaktivitäten, Ost-West-Trennung und Mauer zwischen den Teilen. Später, mit dem Einriss genau dieser Mauer und der großen Wiedervereinigung, Zeichen der Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit. Dazu kommen noch so viele große Bauwerke und Prachtbauten, man denke nur an die Oper oder das Brandenbuger Tor, gepaart mit neuer, junger Architektur und einer florierenden Kunst- und Künstlerszene.
Doch gerade das löst bei so manchem, der die Chance bekommt, sich einen großen Überblick, vielleicht gar aus der Vogelperspektive, zu verschaffen, nur Kopfschütteln ob der Uneinheitlichkeit und Zerrissenheit des Stadtbildes aus. Mag man das auch als eine Charaktereigenschaft und optische Ausprägung der Geschichte der Stadt sehen, kann man doch nicht darum herum, sich zu fragen, ob denn ein Zahnarzt Berlin einfach ein paar willkürliche Gebäude-Zähne herausgerissen hat. Anders kann man sich die teils klaffenden Lücken im Gebiss der Metropole nicht erklären.
Selbst das Raumplanungsamt hat wenig Ahnung, warum bei manchen Gebäuden ein Abriss ohne Neubau genehmigt wurde, obwohl das Objekt prinzipiell intakt war. Wirtschaftliche Gründe scheiden somit für einen Gutteil der Löcher im Stadtbild aus, ebenso wie -warum dürfte wohl offensichtlich sein- ästhetische.
Aber schreiben wir es der Berlinerischen Eigenwilligkeit zu. Die Stadt hat schon so viel durch- und überlebt, wer sind wir, der Entwicklung einer solchen Ansiedlung Grenzen und Ketten anlegen zu wollen?
Genau das macht wohl die Faszination Berlins aus.